Auf seiner IAA-Vorschau hat Schmitz Cargobull auch einen Einblick in seine neue Montagelinie für den S.KO Cool in Vreden gegeben. Diese wird derzeit in Betrieb genommen, die ersten Kühler der neuen Generation sind dort bereits vom Band gelaufen. Auf der IAA geht es neben den Fahrzeugen auch ganz zentral um Telematik und Service, ganz im Sinne eines »softwaredefinierten Trailers«.

Der Sattelkoffer S.KO City ist im Zusammenspiel mit Schmitz‘ Transportkältemaschine S.CU mt-Dualevap speziell für den Multitemp-Einsatz im urbanen Verteilerverkehr ausgerichtet
Mitten in der ersten Hitzewelle des Jahres Ende Juni hat Schmitz Cargobull in Vreden einen Einblick in seine Schwerpunkte für die diesjährige IAA Transportation gegeben. Und passenderweise drehte sich dabei sehr viel um Kühlung. Der Marktführer – 50 Prozent der Kühltrailer in Europa sind von Schmitz Cargobull – setzt in Hannover sowohl bei den Fahrzeugen als auch bei Software und Services voll auf seine coole Kernkompetenz.
Frisch für die urbane Verteilerlogistik

Blick in die neue Montagehalle für den S.KO Cool in Vreden.
Mit dem S.KO City und der neuen Transportkältemaschine S.CU mt-Dualevap bietet Schmitz Cargobull zum Beispiel eine Lösung für die urbane Kühl- und Lebensmittellogistik. Sie soll maximales Ladevolumen, effiziente Kältetechnologie, hohe Manövrierfähigkeit und optimierte Aerodynamik kombinieren. Das Duo ist speziell für den Multitemp-Einsatz im urbanen Verteilerverkehr ausgerichtet. Der Kühlauflieger ist mit einer Länge von neun Metern (22 Europaletten) kompakt und mit einer robusten 10-Tonnen-Achse und mechanischer Zwangslenkung wendig. Das soll das Rangieren in engen Innenstädten erleichtern und Zeitaufwand, Reifenverschleiß und Schadensrisiken reduzieren. Die Transportkältemaschine S.CU mt-Dualevap wurde speziell für den Lebensmittelverteilerverkehr entwickelt, die Variante verfügt über einen integrierten Längsverdampfer in der Haupteinheit. Da damit kein zusätzlicher Deckenzusatzverdampfer erforderlich ist, steht die vollständige Innenhöhe zur Verfügung, betont der Hersteller. Das erhöhe das Ladevolumen und verbessere die Luftzirkulation. Längstrennwände mit vordefinierten Querteilungsmöglichkeiten von 830 bis 1250 Millimeter ermöglichen eine präzise Anpassung des Trailers an unterschiedliche Lieferkonzepte. Dank der abschließenden Quertrennwand lassen sich die Größen der temperierten Kammern entsprechend des Ladegutes anpassen und auch Leergut wirtschaftlich zurückführen. Drei leistungsstarke, in die Stirnwand integrierte Verdampferlüfter ermöglichen eine gleichmäßige Luftführung ohne zusätzliche Einbauten.
Als zentralen Vorteil des neuen S.KO City nenne Schmitz Cargbobull die optimierte Gewichtsverteilung durch den neu positionierten Königszapfen. Das erhöhe die Nutzlast um bis zu 1400 Kilogramm und verkürze die Gesamtlänge um 52 Zentimeter. Der verringerte Abstand zwischen Zugmaschine und Auflieger verbessere auch die Aerodynamik und senke so den Kraftstoffverbrauch sowie die CO₂-Emissionen.
Praxisorientierte Ausstattungsdetails des S.KO City sollen zusätzlich die Arbeitsabläufe im Alltag erleichtern: Durchgehende LED-Innenbeleuchtung verbessert die Sichtverhältnisse beim Be- und Entladen, insbesondere bei Nacht. Der Airline-Boden ist rutschfest, hygienisch und leicht zu reinigen und bietet flexible Möglichkeiten zur Ladungssicherung.
Zentrale Steuerungseinheit
Der S.KO City ist mit der Body Control Unit (BCU) ausgestattet, die als zentrale Steuerungseinheit alle relevanten Systemkomponenten des Trailers miteinander vernetzt. In Kombination mit der neuen zentralen Elektrobox erhöht sie die Zuverlässigkeit und ermöglicht eine schnellere Diagnose. Das steigert die Einsatzbereitschaft des Fahrzeugs und schafft die Grundlage für zustandsorientierte sowie vorausschauende Wartung. Die Telematik-Einheit wurde auch deshalb von der restlichen Elektronik abgetrennt, weil sich die Technik hier schnell ändert, erläuterte Schmitz‘ Vorstand für Forschung und Entwicklung Marnix Lannoije auf der Preview – so ist die Einheit besser anpassbar.
Im Werk Vreden wird die BCU serienmäßig in allen Sattelkoffern S.KO der aktuellen Generation verbaut. Parallel dazu ist der Roll-out im internationalen Produktionsnetzwerk laut Schmitz Cargobull bereits angelaufen. In Verbindung mit der S.CU Kältemaschine soll die BCU die Verfügbarkeit von Trailer und Kältemaschine verbessern. Funktionen wie Innenraumüberwachung, Türverriegelung und Zustandsdaten werden zentral gesteuert und transparent dargestellt. Der Batterieladezustand der S.CU ist jederzeit transparent im Trailerconnect Portal abrufbar.
Darüber hinaus erweitert die BCU die Telematikfunktionen und verbessert das Energiemanagement des Trailers. Das verlängere die Batterielebensdauer der Kältemaschine und reduziere das Ausfallrisiko im täglichen Betrieb. Die Kältemaschinenbatterie wird beim S.KO City über den EBS-Stecker der Zugmaschine geladen und vor Tiefenentladungen geschützt.
Ein Betriebssystem für den smarten Trailer

Handfeste Neuerung: Dennis Hövelmann, Head of Produktmanagement Cool Freight bei Schmitz Cargobul, stellt das optionale Solarpaneel für den neuen S.KO Cool vor. Es ergänzt die Energieversorgung im Stand.
Mit dem Cargobull Operating System (COS) hat Schmitz Cargobull ein umfassendes digitales Ökosystem für den intelligenten Trailer vorgestellt. Der Software-defined Trailer ist ein zentraler Bestandteil des Cargobull Operating Systems. Er führt alle relevanten Daten aus Sensorik, Telematik und Trailersteuerung in einer einheitlichen Systemarchitektur zusammen und stellt sie zentral zur Verfügung. Damit bildet er die technologische Grundlage für eine durchgängige Digitalisierung des Trailers über seinen gesamten Lebenszyklus. »Mit dem Cargobull Operating System werden Trailer zu intelligenten, vernetzten Systemen, die Daten gezielt nutzbar machen. Das COS schafft echten Mehrwert für unsere Kunden – durch höhere Effizienz, mehr Transparenz und optimierte Transportprozesse«, so Dr. Cafer Ince, Head of Product Line Digital Services bei Schmitz Cargobull.
KI-gestützte Analysen und Echtzeit-Daten sollen helfen, Abweichungen früh zu erkennen, Wartungen besser zu planen und Prozesse zu automatisieren. Ziel ist, Ausfälle zu reduzieren und die Planung im Flottenbetrieb zu erleichtern. Über das Trailerconnect-Portal erhalten Flottenbetreiber transparente Echtzeitinformationen zu allen relevanten Komponenten wie Achsen, Bremsen, und Kühlaggregaten. Funktionen lassen sich aus der Ferne überwachen und steuern. Die Wartung kann automatisiert geplant werden und Drittsysteme lassen sich nahtlos integrieren, verspricht Schmitz Cargobull. »Ist das Cargobull Operating System wie Apple und erlaubt niemanden sonst? Nicht im geringsten, wir sind ein offenes System«, betonte Lannoije. Nicht zuletzt erfülle ein Trailer mit dem COS auch die seit Juli geltende Pflicht eines Software Update Management Systems (Sums) nach der Richtlinie R156 der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE). Das Cargobull Operating System ist per Funk updatebar, das gilt auch für integrierte Fremdsysteme, als Beispiel nannte der CTO die Software von Carrier-Kühlaggregaten.
Zentrale Benutzeroberfläche für ein transparentes und vorausschauendes Flottenmanagement ist Trailerconnect Fleettrack, das sämtliche Telematik‑ und Zustandsdaten in einem übersichtlichen Dashboard zusammenführt. Flottenbetreiber erhalten einen konsolidierten Überblick über den technischen Zustand ihrer Trailer, die Performance von Kühlaggregaten sowie relevante Ereignisse und Alarme – in Echtzeit und über die gesamte Flotte hinweg. Trailerconnect Fleetwatch ergänzt Fleettrack um eine proaktive Überwachungsfunktion für Trailer und Transportkältemaschinen – sowohl die Schmitz Cargobull S.CU wie auch Fremdkühlgeräte, wie der Hersteller betont. Das System erkenne kritische Zustände frühzeitig, wie etwa Fehlercodes von Kühlaggregaten oder EBS‑Systemen. Handlungsempfehlungen sollen dabei unterstützen, Probleme zu beheben, bevor Ausfälle entstehen. Individuell definierbare Zeiträume und Filter ermöglichen gezielte Auswertungen nach Fahrzeugen, Gruppen oder Komponenten. Zentrale Daten über Auslastung, Betriebsstunden oder Temperaturverläufe liefern fundierte Entscheidungsgrundlagen und sollen Kunden schnell erkennen lassen, wo Optimierungspotenziale liegen.
Mit dem Data Management Center (DMC) stellt Schmitz Cargobull eine zentrale, nach Angaben des Unternehmens DSGVO-konforme Datenplattform bereit. Im DMC werden Telematik- sowie Drittanbieterdaten in einer einheitlichen Datenbasis konsolidiert. Das soll auch in gemischten Flotten einen konsistenten Überblick ermöglichen. In Kombination mit Tourtrack entsteht eine durchgängige digitale Nachverfolgbarkeit von Transporten. Relevante Informationen können systemübergreifend ausgetauscht, dokumentiert und in bestehende Flotten- und Logistikprozesse integriert werden – von der Routenplanung bis zum Nachweis der Transportbedingungen. Der Anwender bestimmt dabei wann, wo und mit wem er welche Daten teilt.
Als zentralen Bestandteil des Software‑defined Trailers nennt Schmitz Cargobull smarte Remote‑Funktionen. Über das Trailerconnect Portal lassen sich Funktionen wie Remote Start von Kühlaggregaten, Set‑Point‑Anpassungen oder digitale Türverriegelungen aus der Ferne steuern. Mit sogenannten Cargosets können vordefinierte Einstellungsprofile für wiederkehrende Transportaufgaben per Klick aktiviert werden.
Ein Kühltrailer alle zehn Minuten

Betonte die Bedeutung der temperaturgeführten Logistik für Schmitz Cargobull: CEO Andreas Schmitz (links), zusammen mit seinen Vorstandskollegen Ralph Kleideiter und Marnix Lannoije.
Ebenfalls bei der IAA-Preview vorgestellt wurde eine Neuheit, die nicht auf dem Messestand zu sehen sein wird: Die neue Montagelinie für den S.KO Cool im Werk Vreden. »Ein smarter Trailer sollte aus einer smarten Fabrik kommen – und das ist es, was wir hier umsetzen«, erklärte CEO Andreas Schmitz auf der Veranstaltung. Die für rund 50 Millionen Euro errichtete moderne Fertigungsumgebung ist die Basis für den Serienstart der neuesten Generation des S.KO Cool, die auf der kommenden IAA erstmals international vorgestellt wird. Er verfügt über eine serienmäßig verbaute Trailerconnect Telematik inklusive digitalem Temperaturrekorder. Die bewährte Ferroplast-Isolierung hat einen k-Wert ab 0,295 W/m²K. Ergänzend erleichtern neue praxisnahe Ausstattungsoptionen wie ein Solarpanel zur Batterieladung im Stand, eine LED-Innenbeleuchtung optimiert insbesondere bei Nutzung von Trennwänden oder Rolltoren die Sicht und ein zusätzliches Bedienpanel für die S.CU im Heckbereich des Trailers ermöglicht das Ein- und Ausschalten sowie die Temperatureinstellung, ohne Unterbrechung des Beladeprozesses. Der neue S.KO Cool kann mit der auf der Solutrans 2025 vorgestellten konzerneigenen Transportkältemaschine S.CU dc90 mit ePTO ready Schnittstelle ausgestattet werden.
Die neue Montagelinie hebt die industrielle Fertigung im Werk Vreden auf eine neue Stufe. Das begann schon mit der Planung, sie erfolgte vorab komplett in CAD – »Wir wussten wie das Werk aussieht, bevor der erste Stein gelegt wurde«, erläuterte Volker Flatau, Leiter Produktlinie Cool Freight bei Schmitz Cargobull. Automatisierte Produktionsprozesse sorgen für ein Höchstmaß an Präzision und Zuverlässigkeit, das Resultat sei ein tatsächlich noch stabileres Produkt, das sich auf dem üblichen Teststand als unzerstörbar zeigte, berichtete er. Die Produktion auf der neuen Anlage erfolgt im Längs- statt wie bisher im Quertakt und besteht nur noch aus acht statt aus 22 Takten. Die digitale Prozesssteuerung soll die Produktqualität weiter verbessern und Fehlerquoten minimieren, erwartet Schmitz Cargobull. Gleichzeitig sei die Fertigung der Kühlkoffer konsequent auf einen optimierten K-Wert ausgerichtet und erfüllt strengste Qualitätsstandards sowie Zertifizierungen nach nationalen und internationalen Vorgaben.

Ist nicht gekühlt, hilft aber cool zu bleiben: Auch ein Mobile Service Van war auf der Vor-IAA-Veranstaltung mit dabei.
Durch einen modularen Aufbau und die digitale Steuerung kann die Produktion flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren, betont der Fahrzeugbauer. Im Zentrum der Smart Factory steht die konsequente Nutzung von Industrie-4.0-Technologien. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Internet of Things (IoT) und Robotik ermöglicht eine intelligente, vernetzte Fertigung. Das erhöht Effizienz und Transparenz über den gesamten Wertschöpfungsprozess hinweg und soll sich direkt auf die Produktqualität und Verfügbarkeit für Kunden auswirken. (ms)
Schmitz Cargobull ist auf der IAA auf dem Freigelände, Pavillon 33 (unter dem Expo-Dach)








