Anfang Mai traf sich die Kühltransportbranche zur Transfrigoroute Jahrestagung in Osnabrück. Manche Themen wie der damals frisch angelaufene Tankrabatt sind schon wieder Geschichte, manche wie Maße und Gewichte von Kühlfahrzeugen ein stets aktueller Dauerbrenner.

Kühl-LKW vor Bahndenkmal: Transfrigoroute tagte in Osnabrück im Coppenrath Innovation Centre, das 1914 als Ringlokschuppen mit zwei Drehscheiben für 34 Lokomotiven errichtet wurde. Das Gebäude steht seit 1996 unter Denkmalschutz.
Es waren, selbst im Maßstab der heutigen, krisengeschüttelten Zeit, belastende Wochen, als Anfang Mai Transfrigoroute Deutschland seine Jahrestagung abhielt. In Folge des Irankrieges explodierten die Dieselpreise, der Tankrabatt war in der Woche zuvor in Kraft getreten. Dass rund 140 Teilnehmer in dieser Situation den Weg nach Osnabrück auf sich nahmen, freute den Vorsitzenden des Verbandes Gert Kautetzky von der Kautetzky Internationale Spedition und den Transfrigoroute-Geschäftsführer Roger Schwarz ganz ausdrücklich. In einer Videobotschaft begrüßte auch Prof. Dr. Dirk Engelhardt als Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), unter dessen Dach Transfrigoroute agiert, die Anwesenden mit einer einfachen und ehrlichen Parole: »Durchhalten!« Denn perspektivisch würde der Fachraum knapper werden und die Nachfrage nach Transportdienstleistungen weiter steigen. Er berichtete auch von einigen Aktivitäten des BGL in dem Zusammenhang: »Wir sind im politischen Dialog mit dem Verkehrsministerium, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Wirtschaftsministerium«, so Engelhard. Der Verband hat zudem in ein Preisinformationssystem investiert und veröffentlicht täglich die aktuellen Dieselpreise, damit Mitgliedsunternehmen eine Datenquelle haben, auf die sie sich berufen können bei einer ad-hoc-Anpassung der Dieselpreise.
Verantwortlichkeit für Batterieladung bei Kühlfahrzeugen
Aus dem Industrieausschuss von Transfrigoroute berichtete in Osnabrück Andreas Schmid, Vertriebsleiter bei Frigoblock. Auf Einladung vom Bundesverkehrsministerium durften dessen Mitglieder in Dänemark bei einem Treffen der internationalen Prüfstellen teilnehmen. Ein Thema waren Batterien bei Kühlfahrzeugen. »Die Franzosen haben hier relativ interessante Vorschläge eingebracht«, berichtete Schmid und meinte das kritisch. Er nutzte einen Vergleich aus der Praxis: »Wenn Sie heute ein Kühlfahrzeug haben, wissen Sie selber, dass der Fahrer verantwortlich ist, um das Ding zu tanken. Und wir sind der Meinung, dass der Fahrer auch verantwortlich dafür ist, dass die Batterie geladen ist.« Die französische Position sei dagegen, vorzuschreiben, wie das zu handhaben ist. »Aber das ist ja völlig abwegig von der Realität«, kommentierte der Vorsitzende des Industrieausschusses. Er verwies darauf, dass die Lebensmittelsicherheit durch den Temperaturschreiber sichergestellt werde: »Wenn die Temperatur falsch ist, dann blinkt das Ding und sagt, hier habe ich ein Problem. Da spielt keine Rolle, ob die Batterie geladen ist oder nicht.«
Dauerthema Abmessungen und Gewichte

Gert Kautetzky begrüßt als Vorsitzender von Transfrigoroute die Gäste der Jahreshauptversammlung.
Schwarz schilderte auf der Veranstaltung den Stand der Dinge bei der Überarbeitung der Richtlinie 96/53/EG, die die Abmessungen und Gewichte von Fahrzeugen im nationalen und grenzüberschreitenden Verkehr regelt. Der Transfrigoroute-Geschäftsführer verdeutlichte zu Beginn den Dauerbrenner-Charakter: »Ich zeige jetzt ein paar Folien. Der eine oder andere kennt die: die haben wir schon im Jahr 2015 bei der Transfrigoroute-Veranstaltung in Saalfelden gezeigt. So alt ist das Thema!« Wenn ein bei Abfahrt korrekt beladener LKW mit Kühlsattelauflieger an Entladestellen einen Teil der Paletten auslädt, verschiebt sich der Schwerpunkt der Ladung nach vorne und überschreitet unter Umständen die erlaubt Antriebsachslast von 1500 Kilogramm. Betroffen von der Herausforderung der Lastverteilung sei auch schon die Dieselwelt gewesen, durch die E-Mobilität und die höhere Kontrolldichte sei das Thema aber sensibler geworden. Schwarz spielte verschiedene Lösungsansätze für das Problem durch, von der dreiachsigen Sattelzugmaschine bis zu veränderten Radständen am Sattelauflieger. Doch hauptsächlich war sein Ziel, das Thema ins Bewusstsein zu rücken. »Wir müssen auch die Verlader sensibilisieren«, denn sie seien es schließlich in der Regel, die den Auflieger beladen. Komplizierter wird es dank einer eigentlich gut gemeinten Ausnahmeregelung: Wenn bei einem voll beladenem Diesel-Kühlzug mit eingehaltenen Achslasten und 25 Tonnen Beladung auf eine batterieelektrische Zugmaschine umgesattelt wird, seien zwar zwei Tonnen mehr zulässige Gesamtmasse erlaubt. »Aber dann sehen wir: die Antriebsachslast ist um 1670 Kilo überladen. Von der BG Verkehr gebe es ein Tool, um einen Lastverteilungsplan für jede individuelle Fahrzeugkombination zu erstellen. »Eigentlich müsste man das auch tun. Wir schmunzeln alle…« Schon länger liegt ein Vorschlag der EU-Kommission zur Überarbeitung dieser Richtlinie vor, der statt zwei vier Tonnen Mehrgewichtskompensation beinhaltet bei der gleichen fünfachsigen Variante, statt 11,5 Tonnen aber 12,5 Tonnen auf der Antriebsachslast. Zu diesem Vorschlage gibt es laut Schwarz zwar eine Parlamentsposition und auch eine Ratsposition der europäischen Mitgliedstaaten, die Ende letzten Jahres verabschiedet wurde. Kurz: Es gibt viel Verhandlungen zu dem Thema in Brüssel. Die Diskussionen mit Verantwortlichen in Brüssel und in Deutschland fasste Schwarz klar zusammen: »11,5 Tonnen Antriebsradlast ist einzementiert. Sie haben uns jegliche Hoffnung genommen, dass wir eine Erhöhung der Antriebsradlast bekommen wegen der Problematik Infrastruktur. Sie haben aber gesagt, sie sehen die Problematik.« Eine Möglichkeit sei, eine dreiachsige Sattelzugmaschine zu nehmen und einen dreiachsigen Trailer, dann könnte man 44 Tonnen bekommen. »In trockenen Tüchern ist noch gar nichts«, fasste Schwarz zusammen.
Zivil-militärischen Zusammenarbeit aus dem Dornröschenschlaf wecken
In seiner aktuellen Kampagne bezeichnet sich das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) als »Deutschlands beweglichstes Amt«. Dessen Präsident Christian Hoffmann bewegte sich auf jeden Fall vom Dienstsitz in Köln zur Transfrigoroute-Jahresversammlung in Osnabrück und schilderte die Aufgaben des ehemaligen Bundesamts für Güterverkehr von der Verkehrskontrolle bis zur zivilen Notfallvorsorge und der zivil-militärischen Zusammenarbeit. »Ihre Branche steht für Verlässlichkeit und Präzision. Ihre Arbeit ist eine enorme Leistung, eine tragende Säule für die Versorgung«, lobte er zur Begrüßung. »Doch während Sie dafür sorgen, dass Temperaturschwankungen niedrig bleiben, beobachten wir weltweit genau das Gegenteil: Die Lage erhitzt sich. Politisch, wirtschaftlich und eben auch sicherheitspolitisch. Da kommt das Balm mit ins Spiel«, erläuterte Hoffmann. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs und der sich verschärfenden Sicherheitslage in Europa sei es eingebunden in den Operationsplan Deutschland, für den das Operativen Führungskommando der Bundeswehr die Federführung hat. »Eine wichtige, wenn nicht überhaupt die entscheidende Rolle dabei spielt die Transportorganisation des Bundes, die TOB«, erklärte Hoffmann. Dies sei eine Auswahl besonders leistungsstarker, oft auch multimodaler Transport- und Logistikunternehmen, die es überhaupt dem Balm ermöglicht, kurzfristig Transportkapazitäten für zivile und gegebenenfalls auch militärische Bedarfe bereitzustellen. Die temperaturgeführte Logistik sei hierbei ein wichtiges Cluster. »Umso mehr freut es mich, und das ist keine Floskel, dass hier einige aus Ihren Reihen bereits mit ihrer Mitgliedschaft im Netzwerk der TOB Bereitschaft signalisiert haben, die Bundesrepublik Deutschland in diesem Fall zu unterstützen«, betonte Hoffmann. (ms)

BALM-Präsident Christian Hoffmann stellte auf der Transfrigoroute Jahrestagung die Entwicklung seiner Behörde angesichts der aktuellen Herausforderungen vor.
Im Interview
Am Rande der Jahrestagung von Transfrigoroute Deutschland sprach Gert Kautetzky, Vorsitzender von Transfrigoroute Deutschland, mit Frischelogistik über den Tankrabatt, die laufende Diskussion über Maße und Gewichte sowie die Bedeutung der »Zeitenwende« für die Kühllogistik-Branche.









