Glaubt man dem italienischen Logistikautomatisierer Modula, ist die Zukunft der Mikrovermehrung von Pflanzen vertikal: Effizienz, Kontrolle und Nachhaltigkeit für die Landwirtschaft will das Unternehmen mit seinem Biotech Tower erreichen. Das soll die Mikrovermehrung zu einem sicheren, rückverfolgbaren und effizienten industriellen Prozess machen.
Vor dem Hintergrund einer auf Effizienz, Wiederholbarkeit und Ressourcenschonung ausgerichteten Landwirtschaft setzen Experten Hoffnung in die Automatisierung der Mikrovermehrung als einen entscheidenden Schritt. Diese Technik ermöglicht es, aus einer minimalen Menge Pflanzengewebe eine große Anzahl genetisch identischer Pflanzen zu gewinnen: eine strategische Lösung für Baumschulen, Genforschung und Produktion mit hoher Wertschöpfung. Die manuelle Handhabung dieser Prozesse birgt jedoch kritische Variablen: Kontamination, Inkonsistenz, Zeit- und Platzverschwendung. Genau diese Einschränkungen will der Modula Biotech Tower überwinden: die selbstentwickelte Lösungkönne die In-vitro-Kultur auf ein neues Niveau an Präzision und Zuverlässigkeit heben, so das Unternehmen mit Sitz in Salvaterra di Casalgrande in der Provinz Reggio Emilia.
Tatsächlich handelt es sich beim Biotech Tower um ein vollautomatisches vertikales Lager, das eine konstante und zentralisierte Kontrolle von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht gewährleistet. Jede Phase des Produktionszyklus findet in einer geschlossenen Umgebung statt, die von der Außenwelt isoliert und ohne direkten Kontakt zugänglich ist: ein System, das das Kontaminationsrisiko reduziert und die vollständige Rückverfolgbarkeit jedes Trays ermöglicht, betont Modula.
Automatisierte Entnahme hilft bei der Temperaturkontrolle

Der Modula Biotech Tower.
Durch die vertikale Optimierung des Platzbedarfs und die Digitalisierung jedes einzelnen Schrittes soll der Biotech Tower Unternehmen entscheidend unterstützen, die im Bereich der Mikrovermehrung tätig sind. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Qualität des Ergebnisses, sondern auch hinsichtlich der Einfachheit der Verwaltung, der Skalierbarkeit des Systems und der Möglichkeit, die Produktion zu standardisieren. Die Automatisierung reduziere außerdem den Energiebedarf und den Verbrauch von Verbrauchsmaterialien, betont Modula. Durch die automatisierte Entnahme der Trays muss die sterile Umgebung nicht ständig geöffnet werden, wodurch eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit aufrechterhalten und Leckagen reduziert werden. Der Einsatz modernster Sensoren gewährleiste außerdem eine kontinuierliche Überwachung der Umgebungsbedingungen und ein sofortiges Eingreifen bei Abweichungen von den optimalen Parametern.
Die Anwendung der Lösung sei nicht auf die Mikrovermehrung beschränkt, erläutert Modula. Auch in der Pilzzucht und der intensiven Zucht von Insekten für die Proteinproduktion sowie in traditionelleren Bereichen wie Baumschulen und Saatgutauswahl könne sie ihre Effektivität ausspielen.
Bis zu 90 Prozent Platzersparnis
Zu den Vorteilen des Biotech Tower nennt Modula auch konkrete Zahlen. Die Struktur spare dank der vertikalen Entwicklung, die jeden verfügbaren Kubikmeter maximiert, bis zu 90 Prozent Platz im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen. Die optimierte Beleuchtung führe zu einer Einsparung von 50 Prozent des benötigten Lichts, während die interne Anordnung der Tabletts zu einer höheren Produktionseffizienz beiträgt, die im Vergleich zu herkömmlichen Standards auf ein Plus von 25 Prozent geschätzt wird.
Auf operativer Ebene ermöglicht der Biotech Tower laut Modula eine Reduzierung des Abfalls und eine Verbesserung der Gesamtqualität der In-vitro-Kultivierung, wodurch der Pflanzenertrag um bis zu 25 Prozent gesteigert und die Homogenität gewährleistet werde. Die versiegelte und automatisierte Umgebung schließe die Möglichkeit einer Kontamination aus, und auch der Zeitaufwand wird erheblich reduziert, betont das Unternehmen. Jeder Produktionszyklus könne um bis zu eine Woche vorverlegt werden, was zu einer Gesamtersparnis an Zeit und Energie führt, die sich sowohl auf die Produktivität als auch auf die Nachhaltigkeit des Systems auswirkt.

Die Mikrovermehrung ermöglicht es, aus einer minimalen Menge Pflanzengewebe eine große Anzahl genetisch identischer Pflanzen zu gewinnen.
Jede Phase unter Kontrolle
Mit dem Biotech Tower sei jede Phase unter Kontrolle: Klimaparameter, Pflanzenstatus, Rückverfolgbarkeit der Chargen und Bestandsverwaltung werden in Echtzeit überwacht, was Transparenz und Zuverlässigkeit im Prozessmanagement und bei der Verwendung von Verbrauchsmaterialien gewährleisten soll. Landwirtschaftliche Betriebe und Forschungslabore, die sich mit groß angelegter In-vitro-Vermehrung befassen, können von diesem System profitieren. Mit dem Biotech Tower können nach Angaben des Anbieters bis zu 250 000 Sämlinge in einer einzigen Struktur verwaltet werden, die sich über zehn Meter Höhe erstreckt, wodurch die Bodenfläche minimiert und die Produktivität pro Quadratmeter erhöht wird. »Der Biotech Tower ist nicht nur eine technologische Lösung, sondern ein Paradigmenwechsel im Management der Mikrovermehrung. Die Produktionseffizienz geht mit einer Verbesserung der Qualität und Sicherheit einher, was sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirkt«, erklären die Entwickler von Modula.
Der Biotech Tower fügt sich in das landwirtschaftliche Ökosystem des italienischen Technologieunternehmens ein, flankiert von ergänzenden Lösungen wie Modula Farm und Modula Climate Control. Ersteres ist für den vertikalen Anbau mit hoher Produktionsintensität konzipiert, mit Fertigationssystem (Ausbringen von flüssigen oder wasserlöslichen Düngern durch ein Bewässerungssystem), CO₂-Kontrolle und fortschrittlichem Klimamanagement. Letzteres gewährleistet die gekühlte Lagerung von biotechnologischem Pflanzenmaterial unter konstanten Umgebungsbedingungen.
Mit diesen Technologien möchte Modula ein neues Modell für die Landwirtschaft der Zukunft entwickeln: skalierbar, automatisiert, nachhaltig. Ein Modell, das auf die Herausforderungen des Klimawandels, die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln und die Notwendigkeit, die Umweltbelastung durch die landwirtschaftliche Produktion zu reduzieren, reagiert.
Kurzinfo Mikrovermehrung
Die Mikrovermehrung ist ein Bereich der klassischen Biotechnologie. Hierbei werden Pflanzen innerhalb relativ kurzer Zeit »im Reagenzglas« vermehrt. In der deutschen Verordnung über das Inverkehrbringen von Anbaumaterial von Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenarten findet man folgende Definition der Mikrovermehrung: Es handelt sich um die Multiplikation von Pflanzenmaterial zur Erzeugung einer Vielzahl von Pflanzen mit Hilfe einer In-vitro-Kultur aus ausdifferenzierten vegetativen Knospen beziehungsweise ausdifferenzierten vegetativen Meristemen einer Pflanze.








