Warum Drucker die Achillesferse der Unternehmens-IT sein können, erläutert unser Autor Stefan Mennecke in diesem Fachbeitrag. Die Integration der Druckersicherheit in die IT-Sicherheitsstrategie ist für ihn keine Option, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
Das Risiko digitaler Angriffe auf die IT-Landschaften deutscher Unternehmen ist Alltag. Laut Bitkom stiegen die Ausgaben für IT-Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland 2024 um 13,8 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro. Eine Gerätegruppe wird dabei jedoch oft übersehen: Drucker. Ob Etikettendrucker bei Kommissionierungs- und Verpackungsvorgängen, Industriedrucker in Fertigungs- und Produktionsumgebungen, Thermoprinter für das mobile Drucken von Versanddokumenten oder herkömmliche stationäre Bürogeräte – sie alle werden von der IT-Abteilung nur unzureichend verwaltet und betreut, obwohl sie aufgrund der von ihnen gespeicherten sensiblen Daten ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Gerade in der Logistik, wo täglich tausende Etiketten mit Produktdaten und Lieferinformationen gedruckt werden, sind Digital Printer längst keine einfachen Peripheriegeräte mehr, sondern Netzwerkknotenpunkte, die sensible Daten verarbeiten und speichern.
Die Gefahr von Angriffen auf Drucker ist real
Die globale Studie »Wenn die Arbeit örtlich verteilt ist: Die Rolle der Technologie in der verteilten Belegschaft« von Soti offenbart alarmierende Sicherheitsrisiken: Über 60 Prozent der Unternehmen erlebten in zwölf Monaten Datenverluste durch unzureichende Druckersicherheit. Kaum verwunderlich, genügen doch lediglich 2 Prozent der eingesetzten Geräte den aktuellen Sicherheitsanforderungen. Während 77 Prozent der Studienteilnehmer mobile Geräte effektiv schützen können, räumen nur 19 Prozent der Druckersicherheit dieselbe Priorität ein. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Firmen klammern Drucker – einschließlich mobiler Etikettendrucker im Lagerbereich – sogar komplett aus ihrer Sicherheitsstrategie aus. Besonders besorgniserregend: 90 Prozent haben den Überblick über ihre Druckerflotte komplett verloren.
Die Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität
Während IT-Abteilungen umfassende Sicherheitsmaßnahmen für Computer oder Tablets implementieren, werden Drucker häufig als harmlos betrachtet. Dabei sind moderne Drucker in Wirklichkeit komplexe Computersysteme mit eigenen Betriebssystemen und Netzwerkfunktionen. Ein ungesicherter Etikettendrucker im Kühlhaus oder ein mobiler Drucker auf dem Gabelstapler können als Einfallstor für Angreifer dienen, die sich nach erfolgreicher Kompromittierung frei im Firmennetzwerk bewegen und sensible Kunden-, Liefer- und Unternehmensdaten abgreifen können. Die manuelle Verwaltung der über verschiedene Standorte verteilten Druckerflotten ist jedoch zeitaufwändig und fehleranfällig, weshalb viele Unternehmen auf regelmäßige Updates verzichten – mit potenziell fatalen Folgen.

Gerade in der Logistik sind Drucker längst keine einfachen Peripheriegeräte mehr, sondern Netzwerkknotenpunkte, die sensible Daten verarbeiten und speichern. Sicherheitslücken können hier zu einem gefährlichen Einfallstor werden.
Strategischer Ansatz für mehr Druckersicherheit
Für die Absicherung von stationären und mobilen Druckerflotten sind fünf Kernmaßnahmen entscheidend:
1. Umfassende Risikobewertung: Gründliche Analyse der gesamten Druckerinfrastruktur mit Identifikation aller Geräte und potenzieller Schwachstellen.
2. Sichere Datenübertragung: Implementierung von End-to-End-Verschlüsselung (HTTPS, SSL/TLS) und Deaktivierung unsicherer Protokolle wie HTTP oder FTP. Dies gilt besonders für die oft über W-Lan angebundenen mobilen Drucker.
3. Robuste Authentifizierung: Diese umfasst die Etablierung von Mechanismen zur Identitätsprüfung von Anwendern, etwa eine Multi-Faktor-Authentifizierung. Damit wird sichergestellt, dass nur befugtes Personal die Drucker bedienen oder konfigurieren kann.
4. Netzwerksegmentierung: Einrichtung separater Netzwerksegmente für Drucker zur Schadensbegrenzung bei Angriffen, insbesondere für Geräte in kritischen Bereichen wie der Frischwarenlagerhaltung. Dieser Ansatz bietet eine zusätzliche Schutzebene, um Sicherheit und Performance zu verbessern.
5. Regelmäßige Updates: Drucker-Firmware und die dazugehörige Software stets auf dem neuesten Stand zu halten, trägt zum Schutz vor Schwachstellen und digitalen Angriffen bei. Ein automatisiertes Update-Management kann diesen Prozess erleichtern und sicherstellen, dass alle Geräte ohne die Notwendigkeit manuellen Eingreifens konsistent gepatcht werden.
Technologische Lösungen für eine sichere Druckerumgebung
Unternehmen sollten auf zentrale Plattformen für die Druckerverwaltung setzen, um ihre Geräte automatisch zu identifizieren, zu konfigurieren und zu sichern. Lösungen wie Soti Connect wurden entwickelt, um den Zeitaufwand und die Komplexität bei der Bereitstellung neuer Drucker erheblich zu reduzieren und einen besonderen Schwerpunkt auf die Datensicherheit zu legen. Spezialisierte Management-Plattformen bieten:
• automatisierte Geräteerkennung für stationäre, mobile und Etikettendrucker
• zentralisiertes Management aus der Entfernung und über alle Standorte hinweg
• Verteilung von Wifi-Zertifikaten sowie automatische Firmware-Updates für die gesamte Geräteflotte
• umfassendes Monitoring zur Früherkennung von Anomalien
• granulare Zugriffskontrollen für spezifische Anforderungen
Diese Lösungen senken den administrativen Aufwand und ermöglichen proaktive Sicherheitsmaßnahmen. Ein positiver Nebeneffekt in der nachhaltigen Logistik: Durch längere Nutzungsdauer und den Austausch defekter Komponenten statt ganzer Geräte verbessert sich die Umweltbilanz erheblich.
Druckersicherheit als integraler Bestandteil der IT-Strategie
In der Frischelogistik, wo die Rückverfolgbarkeit von Produkten und die Einhaltung von Kühlketten essenziell sind, können Unternehmen sich keine Schwachstellen in ihrer IT-Infrastruktur leisten. Alle Drucker – vom mobilen Thermodrucker über Etikettendrucker bis zum Bürodrucker – müssen als vollwertige Netzwerkendpunkte mit eigenen Sicherheitsanforderungen anerkannt werden. Die Integration der Druckersicherheit in die IT-Sicherheitsstrategie ist deshalb keine Option, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Kosten für präventive Maßnahmen sind deutlich geringer als potenzielle Schäden durch Datenverluste oder Lieferkettenunterbrechungen.
Mit dem richtigen Bewusstsein, einer strukturierten Herangehensweise und modernen Technologien wandeln Unternehmen ihre Druckerflotte von einer Sicherheitslücke in einen geschützten, effizienten und nachhaltigen Bestandteil ihrer Logistik-IT um.◂
Stefan Mennecke
Unser Autor
Unser Autor Stefan Mennecke ist Vice President of Sales Middle East, Africa & Central, Southern and Eastern Europe bei Soti in München.








