Mit Solar, E-Achse und Batterie versorgen gleich drei Energiequellen den Kühltrailer von Mitsubishi und Solaredge. In einem Pilot-Projekt bei TIP waren im Schnitt nur 20 Prozent des Energiebezuges aus Netzstrom notwendig, die Batterie am Kühltrailer musste nur alle zwei bis drei Wochen aufgeladen werden.
Auf der Transport Logistic im Juni präsentierten Mitsubishi Heavy Industries Thermal Transport Europe GmbH (MTTE) und die Solaredge e-Mobility ihren »e-Reefer« – ein erfolgreiches Pilotprojekt für den komplett CO2-freien Kühltransport mit Trailern. Die Partner entwickelten für die TIP Group und deren Kunden eine innovative Zero-Emission-Lösung. Diese bewährt sich seit Anfang 2025 im Praxiseinsatz beim Erstanwender Zippel. Dabei wird die Hybrid-Kühlmaschine TFV von Mitsubishi von drei verschiedenen Energiequellen gespeist: von einer Batterie, von Solarpaneelen sowie einer E-Achse am Trailer. Die ersten Auswertungen zeigen, dass diese Kombination für eine nach Angaben der Projektpartner bisher unerreichte Energieeffizienz sorgt. Ein sehr hoher Anteil von bis zu 80 Prozent der benötigten Energie kann lokal aus erneuerbaren Quellen bezogen werden. Denn in Verbindung mit den Solarpaneelen auf dem Trailer-Dach wird die Kühlanlage für viele Stunden zuverlässig mit Strom versorgt. Während der Fahrt speist die E-Achse zusätzlich Strom ein, der durch Rekuperation beim Bremsen gewonnen wird. Im Ergebnis muss die Batterie für das Trailer-Kühlaggregat nur alle zwei bis drei Wochen am Netz geladen werden, berichten die Unternehmen. Das ist ein Rekordwert für einen Kühltrailer, der rund um die Uhr im Einsatz ist. Mit dieser Kombination aus Solarpaneelen, E-Achse und Batterie kann die Hybrid-Anlage TFV rein elektrisch betrieben werden – das Diesel-Aggregat dient nur als Notfall-Backup.
Die Partner Solaredge e-Mobility und Mitsubishi entwickelten dieses Kühltrailer-Elektro-Kit für den Kunden TIP Group, einen führenden Trailer-Vermieter. Der Energiequellen-Mix aus Solarstrom, Rekuperation und Batterie eignet sich nicht nur für die Hybrid-Anlage TFV von Mitsubishi, sondern auch für den Betrieb der neuen, rein elektrischen Kühlmaschine TEF 1500. »Unser Ziel war es, die kinetische Energie mit der Solarenergie zu vereinen, um die Energieausbeute während der Fahrt und Standzeiten zu erhöhen und den Bedarf an Strom aus dem Netz zu reduzieren«, erklärt Pavel Gilman, Senior Director Sales & Project Management bei Solaredge e-Mobility, den Ansatz. Kombiniert wurde die Mitsubishi-Kühlmaschine TFV mit einer 60 kWh Batterie in Form von vier 15 kWh Batterie-Packs, einer 3 kWp PV-Anlage auf dem Trailer-Dach für den Solarstrom sowie einer E-Achse mit 20 kW Motor-Leistung. Deren Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM) verfügt über eine Energieeffizienz von bis zu 96 Prozent, erklärt Mitsubishi.
Automatischer Wechsel in den Dynamo-Modus
Als wichtigen Beitrag zur Kühlwarensicherung bezeichnen die Entwickler, dass die E-Achse automatisch in den sogenannten Dynamo-Modus wechselt, wenn der Ladestand (SOC) der Batterie 30 Prozent unterschreitet – in den Sommermonaten 40 Prozent. Durch die eingebaute Telematik von Solaredge e-Mobility, die over-the-air Updates ermöglicht, kann dieser Schwellenwert jederzeit aus der Ferne angepasst werden.
Für eine hohe Energieeffizienz sorgt insbesondere die Auslegung der Mitsubishi-Kühlmaschine TFV. Christian Meyer, Vertriebsleiter Key Account D-A-CH bei MTTE, erläutert das Konzept: »Die hohe Energieeffizienz unserer Kühlmaschine basiert auf einem integrierten Inverter-System, das die Drehzahl des Verdichters immer wirkungsgradoptimiert steuert. Dabei werden der Kompressor und die Innen-/Außenlüftermotoren elektrisch angetrieben. Unabhängig arbeitende Lüfter liefern konstante maximale Luftleistung in allen Betriebspunkten.« Mit maximal 14 600 Watt Kälteleistung ist die TFV besonders auf den Frischdienstbereich mit 2 bis 6 °C Soll-Temperatur ausgelegt. Und genau dieser steht auch im Fokus des Anwendungsfalls in der Kooperation mit Solar Edge und dem Kunden TIP.

Die Trailer-Kühlmaschine von Mitsubishi im Pilotprojekt mit Solaredge e-Mobility – hier auf einem Trailer von TIP, im Einsatz beim Anwender Zippel Logistik.
Heute schon wirtschaftlicher Betrieb
Im Pilot-Projekt der TIP Group beim Erstanwender Zippel ist der E-Kühltrailer seit Januar 2025 im Einsatz. Er bewährt sich laut Firmenangaben bisher hervorragend, wie die energetischen Auswertungen zeigen. Der TIP-Kunde Zippel Logistik setzt das Fahrzeug an fünf bis sieben Tagen pro Woche jeweils über zwölf Stunden ein. Überwiegend ist das Fahrzeug im Frischdienst mit 0 °C Laderaum-Solltemperatur in Nord- und Ostdeutschland unterwegs – jeweils 12 bis 14 Stunden täglich, bei rund 500 Kilometern Tageslaufleistung. Am Samstag und Sonntag verkehrt der Trailer zwischen Nord- und Süddeutschland, teilweise im TK-Modus bei -28 °C Laderaum-Solltemperatur. »Trotz dieses anspruchsvollen Anwendungsprofiles mit intensivem Kühleinsatz war es in den ersten Monaten des Jahres ausreichend, die Batterie alle ein bis drei Wochen einmal zu laden«, erläutert Gilman. Zusammen mit seinem Team analysiert er über die Telematik-Daten regelmäßig die Verbräuche, um das System bei Bedarf an jahreszeitliche Gegebenheiten anzupassen. »So haben wir den Zeitpunkt, wann der Dynamo Modus der E-Achse einspringt, für die Sommermonate für einen SOC von 40 Prozent eingestellt, damit wir ausreichend Puffer haben, um den Temperatur-Sollwert jederzeit einhalten zu können.«
Dieser anwendungsorientierte Einsatz sorgt in Verbindung mit dem genau abgestimmten Energiebezug aus drei Energiequellen für eine hohe Gesamteffizienz und damit Wirtschaftlichkeit des E-Reefers. »Unsere Kalkulation der Total Cost of Ownership (TCO) zeigt, dass die Mitsubishi-Anlage sich in Verbindung mit der Solaredge e-Mobility Technologie, abhängig vom Nutzerprofil, bereits nach circa drei bis vier Jahren amortisiert«, berichtet MTTE-Mann Meyer. »Mit dem Pilotprojekt wollen wir zeigen, dass sich nicht der Kunde an die Technik anpassen muss, sondern dass wir heute schon über die technischen Möglichkeiten verfügen, Zero-Emission-Lösungen im Kühltrailer-Segment wirtschaftlich zu betreiben.«
Marcus Burmeister, Commercial Excellence Manager bei TIP Trailer Services Germany, zieht ein positives Fazit: »Unser Kunde Zippel konnte den für seinen Einsatz konzipierten Trailer wunderbar nutzen und ist sehr zufrieden mit dem System. Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Partnern des Testtrailers hat gezeigt, dass durch Kooperation sehr viel möglich ist. Wir sind gerade dabei, weitere Testtrailer mit anderen technischen Auslegungen zu generieren.«








