Autonome Roboter können die letzte Automatisierungs-Lücke in der Kühlkettenlogistik schließen. Sie können mit tragbaren Kühlgeräten kombiniert werden und temperatursensible Güter automatisiert zwischen Gebäuden, Laboren oder Kühlräumen transportieren –rund um die Uhr und ohne manuelle Eingriffe.

Der kompakte Lieferroboter Cartken Hauler wurde vom Kältespezialisten Stirling Ultracold mit einem leistungsfähigen Kühlsystem ausgestattet.
Die Automatisierung der letzten Meile erlebt eine neue Evolutionsstufe: Autonome mobile Roboter (AMRs), die sowohl in Innenräumen als auch im Außenbereich zuverlässig operieren, sind längst mehr als ein futuristisches Konzept. Besonders in Branchen mit sensiblen Lieferanforderungen – etwa der Pharmaindustrie oder der Lebensmittellogistik – gewinnen sie an Bedeutung. Die Kombination aus intelligenter Navigation und robuster Bauweise macht moderne In- und Outdoor-AMRs zu einem entscheidenden Baustein der digitalisierten Lieferkette.
Indoor-Outdoor-AMR – neue Möglichkeiten für die Frischelogistik
Während klassische fahrerlose Transportsysteme (AGVs) meist an vorgegebene Routen und Markierungen gebunden sind, agieren Indoor-Outdoor-AMRs weit flexibler. Sie orientieren sich mithilfe intelligenter Sensortechnologie, visueller Navigation und KI-gestützter Steuerung selbstständig in dynamischen Umgebungen. Das bedeutet: keine fixen Fahrspuren, kein aufwendiges Umlernen bei Umstrukturierungen – stattdessen eine intelligente Anpassung an wechselnde Bedingungen und einfache Bedienung. Für den Einsatz in komplexen Umgebungen, etwa auf Werksgeländen, ist das ein entscheidender Vorteil, vor allem auch, da sie nahtlos zwischen Innenräumen und Außenbereichen wechseln können. Rampen, Bordsteine, wechselnde Lichtverhältnisse oder unebene Oberflächen meistern sie problemlos.
Anwendungsfelder mit besonderen Anforderungen
Gerade dort, wo Temperaturkontrolle kritisch ist, beispielsweise im klinischen Bereich oder in der Lebensmittellogistik, stoßen herkömmliche Lösungen, wie der manuelle Transport von Proben durch Mitarbeitende oder klassische Automatisierungsverfahren, schnell an ihre Grenzen. Der Transport von temperaturempfindlichen Medikamenten oder Lebensmitteln verlangt eine lückenlose Überwachung und präzise Einhaltung der Kühlkette – unabhängig von Witterung, Distanz oder Tageszeit. Gerade hier kann das Potenzial und die Flexibilität der neuesten AMR-Generation besonders genutzt werden. Mobile autonome Roboter können mit tragbaren Kühlgeräten kombiniert werden. So lassen sich temperatursensible Güter automatisiert zwischen Gebäuden, Laboren oder Kühlräumen transportieren – und das rund um die Uhr und ohne manuelle Eingriffe.
Autonome Transportlösung: Kühlung ohne Hindernis
Die Kooperation des KI-basierten Robotikunternehmens Cartken mit dem Kältespezialisten Stirling Ultracold hat genau diese Herausforderungen der Frischelogistik im Blick. Die gemeinsam entwickelte autonome Kühlketten-Intralogistik-Lösung ist speziell auf die Anforderungen sensibler Transporte zugeschnitten. Der kompakte Lieferroboter »Cartken Hauler« mit einer Traglast von 300 Kilogramm wird durch ein leistungsfähiges Stirling-Kühlsystem (ULT25NEU) ergänzt. Damit können Produkte bei konstant niedrigen Temperaturen sicher transportiert werden – selbst über längere Distanzen und bei widrigen Wetterbedingungen.
Konkret bedeutet das: Der Roboter transportiert Güter in einem Temperaturbereich von -86 °C bis -20 °C – damit sind auch Ultra-Tiefkühl-Anwendungen abgedeckt. Das integrierte Kühlmodul bietet 25 Liter Nutzvolumen, ausreichend für bis zu 18 Standardprobenboxen. Eine drahtlose Temperaturüberwachung mit Alarmmeldungen in Echtzeit läuft kontinuierlich mit und dokumentiert den gesamten Transportweg. Der entscheidende Unterschied zu stationären Kühllösungen: Der Roboter ist mobil und wetterunabhängig. Er bewegt sich autonom zwischen Gebäuden, über unebenes Gelände, durch Aufzüge und das bei Regen, Schnee oder Dunkelheit. Das macht ihn gerade für weitläufige Klinik- oder Produktionsgelände interessant, wo bisher entweder Personal die Transporte übernimmt oder aufwendige Rohrpostsysteme installiert werden müssten.
Diese standortübergreifende Einsatzfähigkeit der Roboter schafft eine nahtlose logistische Verbindung zwischen Laboren, Lagerräumen und Produktionsbereichen – auch über mehrere Gebäudekomplexe hinweg. So bleibt die Kühlkette über das gesamte Gelände hinweg sicher und nachvollziehbar.
Strategische Vorteile von AMRs

Der Roboter ist laut Hersteller technologisch ausgereift und auch für Industrieanwendungen geeignet.
Indoor-Outdoor-AMRs bieten über die sichere Kühlkette hinaus weitere strategische Vorteile:
1. Kosteneffizienz: AMRs senken Personal- (bis zu 60 Prozent) und Transportkosten und reduzieren Fehlerquellen. Gleichzeitig werden Leerfahrten und unnötige Fahrzeugbewegungen auf dem Gelände vermieden.
2. Arbeitszeit: Bis zu 20 Prozent der Arbeitszeit können pro Tag eingespart werden, die Mitarbeitende für wertschöpfendere Aufgaben nutzen können, was wiederum zu einer gesteigerten Motivation führt.
3. Sicherheit: Durch verschlossene, temperaturgeregelte Transportmodule wird das Risiko von Kontamination, Manipulation oder Verderb deutlich reduziert.
4. Skalierbarkeit: Die Systeme lassen sich flexibel in bestehende Logistikprozesse integrieren und können je nach Bedarf erweitert oder vernetzt werden.
Kalkulierbare Investition
Der Einsatz von AMRs ist nicht nur technologisch ausgereift, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Die Anschaffung ist für Unternehmen jeder Größe realisierbar – nutzungsbasierte oder modulare Leasingmodelle erleichtern dabei die Entscheidung. Unternehmen, die aus Kostengründen noch zögern, mobile Roboter im Betrieb einzusetzen, haben die Möglichkeit, über ein Pilotprojekt den Einsatz vor Ort auszuprobieren. Weniger Störungen, kürzere Stillstände und der Wegfall vieler manueller Transporte führen dazu, dass sich die Anschaffungskosten meist nach 12 bis 16 Monaten rechnen – im Leasingmodell oft schon innerhalb des ersten Monats.
Die Kombination aus autonomer Navigation und integrierter Kühltechnologie macht manuelle Eingriffe nahezu überflüssig und schafft einen nahtlos automatisierten Materialfluss – überall dort, wo temperaturempfindliche Güter sicher zwischen Standorten bewegt werden müssen. Indoor-Outdoor-AMRs schließen damit die letzte Lücke in der Kühlkettenlogistik – für mehr Prozesssicherheit, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit in Labor-, Klinik- und Industrieanwendungen.◂
Jonas Witt
Unser Autor
Unser Autor Jonas Witt ist Mitbegründer und CTO von Cartken, München. Vor Cartken arbeitete er bei Google als technischer Leiter für den Bookbot, den Zustellroboter für die letzte Meile, innerhalb des berühmten internen Inkubators Google Area 120.








